Filmtechnik beginnt im Kopf!

Sind Filmhelden unsere Vorbilder oder sind wir die Vorbilder unserer Filmhelden?

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Colin Stokes hielt einen TED Talk, indem er kritisierte dass der Film Star Wars unadäquate Rollenbilder für die moderne Gesellschaft liefere. Laut seiner Darstellung sei es die erste Pflicht des Kinos ein erzieherisches Mittel zu sein. Aber genau darin sehe ich etwas Bedenkliches. Wer bestimmt, was erzieherisch wertvoll ist? Etwas, das mir einfällt, ist da der Struwwelpeter. Hier wird eindeutig ohne jeden Interpretationsspielraum festgelegt, dass es verwerflich ist, Daumen zu lutschen, sich nicht zu pflegen oder in die Luft zu gucken. Ich glaube, dass es aber ein gravierender Irrtum ist, Kino nach seiner Vorbildfunktion zu bewerten. Die Tendenz die hier herauszulesen ist, ist weitaus problematischer, als man zunächst annehmen würde. Wenn Filme kritisiert werden, weil sie moralisch falsche Inhalte liefern, so befinden wir uns auf direkter Ziellinie zu Sittenwächtern, Zensurbehörden und Institutionen wie der amerikanischen "legion of decency". Kunstfiguren sollten niemals Vorbildwirkung haben. Kunstfiguren sind ein kultureller Reibebaum, eine Referenzmarke, an der sich der Diskurs entzünden soll. Es darf keine eindeutige Handlungsvorschrift enthalten sein. Wenn ich mich entscheide, Star Wars als Darstellung des inneren Kampfes meiner inneren Institutionen gegeneinander zu verstehen, so kann mir niemand dieses Recht nehmen. Und wenn jemand diesen Film als frauenfeindlich sieht, so darf er dies auch artikulieren, so wie es Collin Stokes tut. Beide müssen wir Star Wars dankbar sein, dass es uns Gelegenheit gibt uns über dieses wichtige Thema auszutauschen. Wenn wir Collin Stokes' Rede aber als Aufruf verstehen, die filmische Landschaft durch weitere Darstellungsformen zu bereichern, so kann ich dem nur zustimmen. Wenn daraus neue, interessante Filme hervorgehen, dann wird es mich freuen.

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Ippolit Wischin
media expert
Vienna Filmcoach

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